Der Agendaprozess

 

Wie alles begann…

 

Begonnen hat alles damit, dass einige Mitglieder der Ofteringer Wirtschaft (OWA = Ofteringer Wirtschaft Aktiv) meinten, es genüge nicht, in gewissen Abständen im Ort Veranstaltungen und Ausstellungen zu organisieren, wo ortsansässige Gewerbetreibende ihre Leistungen der Bevölkerung präsentieren. Da müsste mehr passieren, um einen nachhaltigen Aufschwung einzuleiten.
Die Ideen gingen in Richtung eines umfassenderen Konzeptes. Ein Marketing- und Werbekonzept sollte erstellt werden. Als Werbeleute die Grundzüge eines solchen Konzeptes präsentierten, war rasch klar, dass damit "das Pferd von hinten aufgezäumt" würde. Es fehlten wesentliche Grundlagen und Voraussetzungen, die eine Erfolg versprechende Umsetzung eines solchen, nicht gerade billigen Konzeptes, sicherstellten. Abgesehen von den bescheidenen örtlichen Gegebenheiten - minimale Nahversorgung, zweigeteilter Ortskern mit A) Gemeindeamt, Schule, Kindergarten und B) Adeg-Markt, Bank, Gasthaus, Fleischhauerei, kein attraktives Ortszentrum usw. - suchte man vergeblich nach einem "Oftering-Bewusstsein" in der Bevölkerung.
Arbeiten und Einkaufen im Ballungszentrum des Großraumes Linz, Wohnen und Schlafen in Oftering. Es scheint nur mehr eine Frage der Zeit, bis der letzte Nahversorger die Segel streicht, der Ortskern verödet und viele Gebäude leer stehen werden.
Also sah man sich nach Beispielen um, wo es Gemeinden in ähnlicher Größe und Situation gelungen ist, diese Abwärts-Spirale zu stoppen und eine Aufwärtsentwicklung einzuleiten.

 

Der Zufall führte Regie

 
 

Ein Mitglied aus der Unternehmerriege erinnerte sich an einen Vortrag des Bürgermeisters von Steinbach an der Steyr, Ing. Karl Siegesleitner, zum Thema "Ortsentwicklung". Es wurde mit ihm Kontakt aufgenommen, um zu klären, ob er Ideen hätte, wie die Ofteringer Wirtschaft ihr ehrgeiziges Ziel, einen nachhaltigen Aufschwung für den Ort einzuleiten, erreichen könnte.
BINGO!
Mit seiner Philosophie, seinen Ideen, seinen Erfahrungen und die darauf abgestimmte Vorgangsweise bei der Bearbeitung der Themen, die für Steinbach a.d.Steyr wichtig waren, hat er seiner Gemeinde einen ordentlichen "Schub" in die Zukunft verpasst.
Eine Kernaussage seiner Philosophie lautet: "Nur mit der unmittelbaren Einbindung der Bevölkerung in den Entwicklungsprozess können zukunftsweisende Veränderungen auf den Weg gebracht werden". Und dazu bedarf es einer professionellen, externen Unterstützung und Begleitung.
Die SPES-AKADEMIE in Schlierbach [www.spes.co.at], spezialisiert auf Unterstützung von Gemeinden, Regionen und Organisationen bei der Entwicklung von Zukunftsplänen und in etwa 100 österreichischen Gemeinden mit besten Referenzen tätig, konnte für die "Begleitung" des Ofteringer Entwicklungsprozesses gewonnen werden. Unser Prozessbegleiter wurde Mag. Johannes Brandl.

 

Die Arbeit konnte beginnen

 

Nachdem die Gemeinde das Angebot der Spes-Akademie angenommen hatte, wurde mit der "Lokalen Agenda 21" eine geeignete Basis für die geplanten Arbeiten gefunden. Erfreulich war, dass für den "Agenda-Prozess - darunter versteht man die Sammlung, Entwicklung und Verwirklichung nachhaltiger Ziele für die Gemeinde, unter Einbeziehung breiter Bevölkerungsschichten - einige Fördertöpfe ausfindig gemacht werden konnten. Denn alles kostet Geld.

 

Methoden der "Agenda-Arbeit"

 

Die Methode ist auf die aktive Einbeziehung möglichst vieler Betroffener ausgerichtet. Denn nur was von einer breiten Öffentlichkeit mitgetragen wird, hat Chancen, weiter verfolgt zu werden. Ausserdem muß sich ein Kreis von Interessenten finden, der das Thema weiter bearbeitet. Das verlangt Geduld und braucht Zeit.
Im Wesentlichen laufen alle Projektstufen ähnlich ab. Der Prozess-Begleiter ist Moderator und dafür verantwortlich, dass Ergebnisse erzielt werden.

Zahlreiches Publikum
Zahlreiches Publikum während der Präsentationen

 

Der Ablauf des "Agenda 21- Prozesses":

 
  1. Sammlung von Themen, die für den Ort als wichtig erachtet werden. (Jeder Teilnehmer schreibt seine Ideen und Vorschläge auf ein Kärtchen und klebt dieses auf ein vorbereitetes Flipchart.
  2. Die Themen werden zu Themengruppen verdichtet und mit einer aussagekräftigen Überschrift versehen.
  3. Anschließend werden die einzelnen Aussagen (Kärtchen) gewichtet: Jeder Teilnehmer erhält 3 Klebepunkte, die er auf die Kärtchen klebt, dessen Inhalt ihm wichtig erscheint. Auf diese Weise erfolgt eine spontane Reihung nach Aktualität und Wichtigkeit.Jene Themen, die die meisten Punkte erhalten, werden als Hauptziele definiert.
  4. In Kleingruppen werden diese Hauptziele nochmals diskutiert, eventuell ergänzt und genauer formuliert. Mögliche Projekt-Ideen werden notiert.
  5. Das Ergebnis der Schritte 1 - 4 wird zusammengefasst und in einer eigenen Veranstaltung der Bevölkerung präsentiert (Infoveranstaltung, Aussendung…).

Ideen werden aufgeschrieben
Ideen und Vorschläge werde auf Plakate geschrieben

Sprecher präsentieren
Sprecher präsentieren die Ergebnisse

 

Die weitere Vorgangsweise zur Verwirklichung von Zielen:

 

-     Bildung von Projektgruppen, die sich der einzelnen Themen annehmen. Wahl eines Projektleiters und der Mitarbeiter im Projektteam.

-     Die Projektgruppen arbeiten nun selbständig und zielorientiert weiter. Sie erstellen Pläne, suchen sich Fachleute zu ihrer Beratung und klären ab, was sie wie und bis wann erreichen wollen.

-     Die Koordination und Steuerung der Projektgruppenarbeit wird vom "Kernteam" wahrgenommen. Mitglieder des Kernteams sind alle Projektgruppen-Leiter. Das Kernteam arbeitet unabhängig und eigenverantwortlich.

 

Was bisher geschah:

 

3. Oktober 2007

Johannes Brandl
Mag. Johannes Brandl
 

ORIENTIERUNGSWERKSTATT

Zusammenkunft interessierter Personen (Gemeindemandatare, Vertreter von Vereinen und Organisationen usw.): Unter der Leitung von Mag. Johannes Brandl wurden Themenbereiche gesucht und eingegrenzt, die für eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde Oftering von Bedeutung sind. Es wurden 5 Bereiche ausgewählt und als Leitthemen formuliert:

  1. Soziales und Miteinander
  2. Nachhaltige Ortsentwicklung
  3. Wirtschaft, Tourismus und Landwirtschaft
  4. Sicherung der Nahversorgung
  5. Lebenswerte Gemeinde

und als Diagramm (pdf) dargestellt.
 

12. Februar 2008:

 

ZUKUNFTSWERKSTATT

An diesem Tag trafen sich etwa 110 Ofteringerinnen und Ofteringer, um zu den 5 Leitthemen zu überlegen, welches die wichtigsten Ziele für unsere Gemeinde sind. Die Ergebnisse wurden den Leitthemen zugeordnet und anschließend gewichtet. Damit entstand ein umfangreicher Wunschkatalog an die "Nachhaltigkeit" in der Gemeindeentwicklung.
Bei der Gewichtung der einzelnen Aussagen (Kärtchen) haben natürlich eine Reihe von Kärtchen nur wenige oder keine Punkte bekommen. Diese wurden in einen so genannten "Themenspeicher" verschoben. Dort bleiben sie gespeichert und können jederzeit hervorgeholt werden, sollte das Eine oder Andere aktuell werden oder sich jemand finden der ein Thema weiterverfolgt. Damit geht keine Idee verloren. (Dokumentation der Zukunftswerkstatt, pdf)


Die Arbeitsgruppe sammelt Ideen
 

27. März, 2. u. 3. April 2008:

 

ZUKUNFTSDIALOG

Die 5 Leitthemen wurden nochmals ausführlich in Arbeitsgruppen diskutiert und insgesamt 10 Arbeitstitel formuliert, für die in der Folge Projektgruppen eingerichtet wurden. Diese sollten die Themen weiter aufbereiten und bearbeiten.

Zu Leitthema 1:  3 Projektgruppen
Zu Leitthema 2:  4 Projektgruppen
Zu Leitthema 3:  2 Projektgruppen
Zu Leitthema 4:  1 Projektgruppe
Zu Leitthema 5:  1 Projektgruppe

 

2. Juni 2008:

 

PROJEKTWERKSTATT

Jedes der 5 Leitthemen wurde nun um die wichtigsten inhaltlichen Aussagen aus der "ZUKUNFTSWERKSTATT" ergänzt.
Siehe "Die Leitthemen für Ofterings Zukunft"

Für die 10 Arbeitstitel aus dem "ZUKUNFTSDIALOG" wurden nun Projektgruppen ins Leben gerufen und dafür Leiter und Mitarbeiter gesucht (freiwillige Verantwortungsübernahme).

Das Ergebnis der "PROJEKTWERKSTATT" und erste Ergebnisse der Projektgruppenarbeiten wurden bei der Festveranstaltung "1200 Jahre Oftering" im April 2009 einem breiten Publikum präsentiert.

Freiling
Blick auf die Neubauten der letzten Jahre in der Siedlung Freiling
 

29. - 31. Oktober 2008

 

IDEENWERKSTATT

Thema: "Wie können ein Nahversorgungszentrum und ein Ortsplatz in Oftering vereint werden?"

Dieses Thema wurde als das Wichtigste erkannt und die Erarbeitung von Lösungen erhielt daher oberste Priorität. Das Architekturbüro "Nonconform, Architektur vor Ort" [www.nonconform.at] Wien, wurde eingeladen, Lösungsmöglichkeiten und Szenarien gemeinsam mit der Bevölkerung zu entwickeln. Dafür wurden 3 Tage anberaumt. Das Architektenteam richtete im Gemeindeamt ein Büro ein, von dem aus Durchführung und Dokumentation der Veranstaltung organisiert wurden.
(Die Ideenwerkstatt, pdf)

 

Das Programm: 

 

1. Tag: Vorträge und Gespräche zur Zukunft von Oftering. Spurensuche im Ort. Besichtigung des Gemeindegebietes. Gespräche mit Haus- und Grundbesitzern im Zentrum. Offene Arbeitsgruppen im Gemeindesaal zur Ideenfindung.

2. Tag: Auswertung der Ergebnisse des 1. Tages. Vortrag, "Das Leben 2015 und die Auswirkungen auf Oftering". Beispiele von Zentrumsentwicklungen aus anderen Gemeinden.

3. Tag: Ausarbeitung von möglichen Alternativen zur Nahversorgung in Verbindung mit der Ortsplatzgestaltung. Verdichtung und grafische Umsetzung in vier mögliche Szenarien. Diskussion, Bewertung und Abstimmung über die einzelnen Szenarien.

Das Ergebnis dieser Veranstaltungsreihe wurde in einer 112-seitigen Dokumentation zusammengefasst. Diese liegt am Gemeindeamt und bei Kernteamleiter, Hannes Wild (Café zum alten Backhaus), zur Einsichtnahme auf.

 

Randbemerkung: 

 

Die Arbeitsweise des Architektenteams "Nonconform" war zugegebenermaßen sehr unkonventionell und wurde von manchen Ofteringern als "provokant" empfunden. Es war aber Ziel, mit dieser Arbeitsweise die Teilnehmer "aus der Reserve zu locken", um zu neuen  Sichtweisen und Ideen zu kommen. Das ist auch gut gelungen.
Dass manche Vorschläge schon als "beschlossene Sache" gehandelt wurden, ist der Informationslust einiger MitbürgerInnen zuzuschreiben, die "alles wussten", aber an keiner Veranstaltung teilgenommen haben.

 

18. u. 19. April 2009 

 

FESTVERANSTALTUNG   "1200 JAHRE OFTERING"

 

Samstag:
-     Eröffnung durch Frau Bürgermeister Ulrike Tauber
-     Aufführung eines Theaterstückes der Ofteringer Volksschulkinder "Leo der Löwe"
-     Empfang für die Ofteringer Neubürger
-     Kurzpräsentationen der Ofteringer Vereine
-     Wirtschaftskabarett mit Otmar Kastner und verschiedene Show-Einlagen
-     Präsentation der neuen "Ofteringer Tracht"
-     Eurovisions Song Contest der Ofteringer Wirtschaft Aktiv

 

Sonntag:
-     Ökumenischer Gottesdienst mit Altbischof  Dr. Maximilian Aichern und Superintendent Dr. Gerold Lehner
-     Großer Festakt mit Hausherrin, Bgm. Ulrike Tauber, Landeshauptmann Josef Pühringer, Landesrat Ackerl,       Bezirkshauptmann Doleschal und einer Reihe weiterer Festgäste

Parallel zu den Veranstaltungen fanden einige Ausstellungen statt. Allen voran präsentierte die "Lokale Agenda 21" konkrete Ergebnisse der einzelnen Projektgruppen.